Das Herz steht still, die Atmung ist ausgefallen. Die Diagnose lautet: klinisch tot. Kann man in einem solchen Zustand noch etwas wahrnehmen? Ja - sagt der Kardiologe Pim van Lom-mel. Denn Millionen von Menschen, die eine solche Phase überlebten, berichten von Nahtod-erfahrungen. Van Lommel illustriert seine Untersuchungen mit eindringlichen Erfahrungsbe-richten. Seine Erkenntnisse sind spektakulär und stellen die bisher üblichen Erklärungsmodelle in Frage: Denn selbst wenn das Gehirn nachweislich nicht mehr funktioniert, können Men-schen ein klares Bewusstsein erfahren - eine Erkenntnis, die uns zwingt, über Leben und Tod neu nachzudenken.
Pim van Lommel, geboren 1943, war als Kardiologe in leitender Position im Rijnstate Kran-kenhaus in Arnhem tätig. Seit 1986 untersucht er Nahtoderfahrungen aus wissenschaftlicher Sicht und ist Mitbegründer der niederländischen Sektion der International Association for Near-Death Studies.
Zu Nahtoderfahrungen (NTE) sind in den letzten Jahrzehnten Dutzende von wissenschaftli-chen Studien durchgeführt worden. Die meisten davon waren retrospektiv angelegt, d. h. sie gaben vergleichend die (teils lange zurück liegenden) Patientenberichte wieder, jedoch ohne die Rahmenbedingungen prüfen zu können. Einen Fortschritt markierte dann eine prospektive Studie (mit kontrolliertem Kontext dieser Grenzerfahrungen), wie sie in den 90er Jahren in den Niederlanden durchgeführt wurde. Diese Untersuchung war einer der Anstöße für dieses Buch des von dort stammenden Mediziners. In den 18 ausführlichen Kapiteln referiert, analy-siert und kommentiert der Verfasser den Stand der Forschung, geht auf die Kritiker ein und zieht weitreichende Schlüsse aus den Befunden. Systematisch geht er den zentralen Fragen des Phänomens der NTE nach: Wie lässt es sich erklären, dass einige Patienten im Nachhinein genau schildern können, was während einer Narkose ... gesagt oder getan wurde? Kann man bei einem Patienten, der im Koma liegt, noch von Bewusstsein sprechen? Kann man einer Person, die für hirntot erklärt wird, noch Bewusstsein zusprechen? Ist ein Mensch, der hirntot ist, wirklich tot? Kommt der klinische Tod dem Verlust von Bewusstsein gleich? Kann man, nachdem jemand definitiv gestorben und der Körper erkaltet ist, noch von Bewusstsein spre-chen? (13-15).
Berichte der Betroffenen als auch Einwände der Bestreiter dieser Erlebnisse als realer Be-wusstseinsinhalte kommen ausgiebig zu Wort. Van Lommel kommt aber zu dem Schluss, dass die vorherrschenden (und eher materialistisch orientierten) Paradigmen in Medizin und Hirnforschung keine hinreichende Deutungs-Basis für NTE darstellen: "Das Bewusstsein lässt sich nicht auf das Gehirn reduzieren, denn es ist nicht-lokal, und unser Gehirn hat für Be-wusstseinserfahrungen nur eine ermöglichende, keine produktive Funktion" (339). Das Kon-zept eines nicht-lokalen, damit endlosen und ewigen Bewusstseins sieht van Lommel deutlich gestützt durch die neueren Erkenntnisse aus der Quantenphysik, die zudem auffällige Paralle-len aufscheinen lassen zu den mystischen Traditionen aller Religionen, die den vom Materiel-len unabhängigen Charakter des Geistigen schon immer betonten.
Nicht nur wegen seines dokumentarischen Wertes, sondern gerade auch in seinen mutig gegen den lautstarken Trend der Hirnforscher (zu reduktionistischem Denken) formulierten Deutun-gen stellt dieses Buch einen herausfordernden Beitrag in dieser Diskussion dar.
Reiner Jungnitsch Religionsunterricht heute, Oktober 2009
"Das Buch "Endloses Bewusstsein" kann bereits jetzt als "Standard-Werk" der NTE-Literatur bezeichnet werden".
Netzwerk Nahtod-Erfahrung Oktober 2009 www.netzwerk-nahtoderfahrung.de